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Der Würgeengel und der Retter der Kinder

August 30
14:09 2014

Die Menschheit war über tausende von Jahren den Angriffen von Viren, Bakterien und Parasiten machtlos ausgeliefert. Die Wucht der Seuchen verstand man als von Gott gesandt oder als Schicksal.

Die Krankheiten und ihre Folgen wurden aber sehr genau beobachtet. Osmanische Ärzte erkannten, dass jemand, der eine Pockenerkrankung überlebt hatte, keine neue Ansteckung befürchten musste. Diese Erfahrung nutzten sie aus: sie infizierten Kinder mit Körperflüssigkeiten von Menschen, die an einer leichten Form der Pocken erkrankt waren, um sie vor der gefährlichen Pockenart zu schützen. Damit war das Prinzip der Impfung entdeckt.

Die Diphtherie ist eine Erkrankung, die durch eine Infektion mit dem Bakterium Corynebacterium diphtheriae hervorgerufen wird.

Von 1875 bis 1887 starben in Preußen jedes Jahr etwa 45.000 Menschen an der ansteckenden Erkrankung. 98% davon waren Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Ein wirksames Mittel stand nicht zur Verfügung.

Die betroffenen Kinder wurden durch einen „Luftröhrenschnitt“ kurzzeitig vor dem Ersticken bewahrt, eine Überlebensgarantie war dieser Eingriff aber nicht.

Das Gift des Diphtheriebakteriums gelangt über eine Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) in den Blutkreislauf. Die gefürchtete Krankheit zeigt sich meist als Rachendiphtherie. Sie beginnt 2-4 Tage nach der Ansteckung mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, Schluckproblemen und erhöhter Temperatur. Der Nasen-Rachenraum ist entzündet und auf den Schleimhäuten bildet sich ein grau-weißer Belag und ein süßlicher Mundgeruch, den erfahrene Ärzte in früherer Zeit genau mit der Infektion in Zusammenhang bringen konnten. Eine schnelle Behandlung mit einem Antibiotikum, das den Erreger abtöten sollte und einem Gegengift, das die Bakterientoxine unschädlich machte war erforderlich.

Heute kennen die meisten Menschen Diphtherie nur noch als eine Bezeichnung im Impfpass. Die Schutzimpfung hat dazu beigetragen, dass die Erkrankung immer weiter zurückgedrängt wurde.

Erforscht und entwickelt wurde der Impfstoff von Emil Behring. Er wurde am 15. März 1854 in Hansdorf in Westpreußen (heute Ilawa / Polen) als fünftes von dreizehn Kindern eines Dorfschullehrers geboren. Er studierte ohne dass seine Eltern das Studium finanzieren mussten an der militärärztlichen Akademie des preußischen Staates in Berlin, musste dafür aber auch mehrere Jahre seinen Dienst als    Militär– und Stabsarzt ableisten (1880 –1889). Nach Ende dieser Zeit arbeitete er am „Institut für Infektionskrankheiten“ als Assistent des damals schon berühmten Arztes und  Bakteriologen

Robert Koch.

Bei Tierexperimenten erkannte Behring, dass wenn Tiere gewisse Krankheiten nicht bekommen, die Ursache dafür in der Blutflüssigkeit (dem Serum) liegt. Schon 1890 machte er zusammen mit seinem japanischen Kollegen    Kitasato die Entdeckung, dass im Blut von an Diphtherie erkrankten Tieren ein Gegengift (Antitoxin) entsteht, das in der Lage ist, das von den Diphtherie-Bakterien gebildete Gift (Toxin) zu binden. War die Erkrankung schon ausgebrochen, konnte das Antitoxin die körpereigenen Abwehr unterstützen. Damit war das Prinzip der passiven Immunisierung (Schutzimpfung) entdeckt.

1891 begann Behrings Zusammenarbeit mit Paul Ehrlich. In dessen Berliner Privatlabor gelang es den beiden, das Serum rein und hochkonzentriert herzustellen und eine kleine Produktion aufzubauen, ab 1893 wurde das Serum erfolgreich bei erkrankten Kindern eingesetzt und Behring war zum „Retter der Kinder“ geworden.

Im November 1894 wurde in den Farbwerken Hoechst eine Großanlage zur Herstellung des Diphtherie-Serums in Betrieb genommen. Schon Ende des Jahres war die Diphtheriesterblichkeit nach Anwendung des Behringschen Heilserums auf 24% gesunken und die Impfung wurde „behördlich verordnet“.

1893 bekam Behring in Halle den Professorentitel, 1895 ging er an das Hygieneinstitut nach Marburg.

1901 wurde „von“ Behring in den Adelsstand erhoben und er erhielt als erster Arzt den      Nobelpreis für Medizin „für seine Arbeiten über Serumtherapie und besonders für deren Anwendung gegen Diphtherie, mir denen er der medizinischen Wissenschaft neue Wege erschloss und dem Arzt eine erfolgreiche Waffe im Kampf gegen Krankheit und Tod gegeben hat“.

Durch die Erfolge und die Entwicklung von Heilseren und Impfstoffen wurde von Behring ein reicher Mann. 1904 gründete er in Marburg die Behring-Werke. Dort wurden schon bald Diphtherie-  und Tetanus-Serum in großen Mengen produziert. Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurden alle verwundeten Soldaten auf Befehl der deutschen Heeresleitung gegen Wundstarrkrampf mit Tetanus-Impfstoff geimpft.

Emil von Behring starb noch vor Ende des ersten Weltkrieges am 31. März 1917 im Alter von 63 Jahren in Marburg. In seinen letzten Lebensjahren soll er unter Depressionen gelitten haben.

Die Behringwerke in Marburg waren bis 1997 ein erfolgreicher und bekannter Impfstoffhersteller und nach der Universität der zweitgrößte Arbeitgeber der Region.

Die Firma wurde schon 1920 eine Aktiengesellschaft und 1929 in die IG Farben  integriert. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Zerschlagung der  IG Farben durch die Besatzungsmächte war ungewiss, was mit den Behringwerken geschehen sollte.

Der Fortbestand war erst 1952 gesichert als man das Unternehmen den Farbwerken Hoechst anschloss.

Heute existieren die Behringwerke als solche nicht mehr.

Es wurde in mehrere Nachfolgeunternehmen aufgeteilt und  das Betriebsgelände in einen Industriepark umgewandelt.

 

Zu verdanken haben wir Behring und seinen Forscherkollegen auf jeden Fall, dass Impfen  heute bei uns ein fester Bestandteil der Medizinischen Versorgung ist.

Viele Erkrankungen sind für uns jetzt keine Bedrohung mehr.

 

 

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