Fidibus-Papenburg.de

Meine Begegnung mit Papst Johannes Paul II

Dezember 08
01:02 2014

Als kürzlich Papst Johannes Paul II heilig  gesprochen wurde, erinnerte ich mich an meine Romreise 2002. Ich durfte ihn sehen bei der öffentlichen Audienz einmal wöchentlich auf dem Petersplatz. Er war alt, krank und schwach, aber er sprach zu den Menschen. Und ich war fasziniert von seiner Strahlraft und seinem unsagbar starken Glauben an Gott, den er bis zuletzt den Menschen vermitteln konnte.

Eine Romreise  war schon immer ein großer Wunsch von mir gewesen. Aber ich hatte ein wenig Flugangst, und innerhalb Deutschlands hab ich immer schöne Reiseziele gefunden. Aber plötzlich hieß es im Jahr 2001 in dem Kirchenchor in NRW, in dem ich damals mitgesungen hatte, dass für das folgende Jahr eine Romreise geplant werde, an dem alle Kirchenchöre  NRW`s teilnehmen können.

Ich war total begeistert. Das war meine Chance, meinen lange gehegten Wunsch wahrzumachen. Ohne weiter zu überlegen, meldete ich mich verbindlich für die Reise an. Kurze Zeit später musste ich feststellen, dass ich wohl die einzige Sängerin aus unserem Chor war, die sich für diese Reise entschieden hatte. Ich konnte das nicht verstehen und fragte diverse Sängerkollegen nach dem Grund. Da hörte ich dann finanzielle Gründe oder zu große Strapazen. Das galt alles nicht für mich. Ich wollte nach Rom.

Zunächst bekamen alle Rom-Reisende ein in DIN-A 4 gefasstes Liederbuch, aus dem Lieder wöchentlich geprobt werden sollten. Und da bekam ich mein erstes Problem: Ich als einzige Romreisende konnte mit meinem Chor nicht proben sondern bekam die Möglichkeit, mit einem anderen Chor unserer Stadt zu proben, bei dem nahezu alle Chormitglieder die Romreise gebucht hatten. Und so probte ich also dienstags mit dem Chor der Romreisenden und montags mit meinem angestammten Chor.

Ich fühlte mich schnell heimisch bei dem neuen Chor,und die Proben machten mir von Woche zu Woche mehr Freude. Teilweise waren extra für diese Reise Lieder komponiert worden, die wir relativ schnell in unser Repertoire aufnahmen. Es waren insgesamt 50 Lieder zu lernen, aber wir hatten ja auch ausreichend Zeit dafür, Am Ende glaubten wir, alle Lieder zu beherrschen, aber dann wurden uns erst die Feinheiten beigebracht. Wir trafen uns dann in einer sehr großen Kirche mit drei anderen Chören aus unserer Stadt, um die wichtigsten Lieder gemeinsam zu singen.

Es klang für mich schon ganz besonders, plötzlich in einem Chor zu singen, in dem ca. 150 Sänger und Sängerinnen mitmachten. Das wurde dann dreimal wiederholt, und schließlich waren wir alle total  beseelt von unserer Musik.

Und dann plötzlich kam der Tag unserer Abreise. Es war so vorgesehen, dass vom Kölner Flughafen aus zwischen 6.00 und 18.00 Uhr stündlich eine Maschine nach Rom startete. In meinen Reiseunterlagen, die ich zugeschickt bekam, lautete die Startzeit 18.00 Uhr. Ich bedauerte zunächst den späten Flug, was sich aber als unnötig herausstellte, wie ich später erkennen musste. Freundlicherweise hatte sich mein „Gastchor“ bereiterklärt, mich mit dem Buszubringer nach Köln mitzunehmen, und so sprach uns der zuständige Pfarrer vor dem Start noch seinen Reisesegen aus.

Am Kölner Flughafen angekommen, war mein „Gastchor“ schnell am Schalter abgefertigt, und ich sah die Sänger und Sängerinnen am zuständigen Gate verschwinden. Schließlich stand ich alleine vor dem Abfertigungsschalter und fühlte mich etwas hilflos. Die freundliche Dame am Schalter gab sich wirklich alle Mühe, meinen Namen auf ihrer Liste zu finden, und ich durfte solange im Wartebereich Platz nehmen. Nach gefühlten bangen 30 Minuten – während sich die Halle bereits mit weiteren  romreisenden Sängern und Sängerinnen füllte-  kam die Schalterdame mit einem Siegerlächeln auf mich zu. Sie hatte meinen Namen gefunden und erklärte mir, dass ich als einzige Alleinreisende geführt werde, während die anderen als Chorgemeinschaft galten. Ich war erleichtert und besorgt zugleich und fragte mich, ob das alles gut gehen würde. So ging ich durch alle Kontrollen und betrat am Ende das Flugzeug, wohlwissend, dass um  mich herum alles Sänger  und Sängerinnen waren,  mir aber völlig unbekannte Personen.

Als dann während des Fluges  das Essen serviert wurde und meine Nachbarin das Fleisch lobte, nutzte ich die Gelegenheit, ihr mein Fleischstück anzubieten, da ich vegetarisch esse. Sie nahm freudig mein Angebot an, und wir kamen ins Gespräch. Ich erfuhr auf diese Weise, dass ich mit einem Chor aus Bonn im Flugzeug saß. Unser gemeinsames Ziel vor Augen fühlte ich mich zwischenzeitlich dann nicht mehr so alleine und meine befürchtete Flugangst hielt sich zum Glück in Grenzen.

Nach ca. 21/2 Stunden landeten wir auf einem Flughafen in Rom.  Ich war froh, die erste Etappe gut überstanden zu haben. Eine deutschsprachige Reiseleiterin empfing uns, übergab uns eine kleine Visitenkarte mit der Anschrift unserer jeweiligen Übernachtungsmöglichkeit und führte uns zu einem Shuttlebus. Die Sänger und Sängerinnen aus unserem Flieger stiegen alle ein, aber mein Name stand mal wieder nicht auf der Liste der Reiseleiterin. Ich wurde mit meinem Gepäck auf eine Warteposition geschickt. Mir wurde etwas mulmig, aber ich war sicher, dass man mich nicht allein zurücklassen würde. Als insgesamt zwei voll besetzte Busse sich bereits auf den Weg gemacht hatten und der letzte Bus noch Reisende aufnahm, sah ich pausenlos auf die Reisebegleiterin, die mir plötzlich ein Zeichen zum Einsteigen gab.

Wie der Blitz war ich im Bus, mein Koffer wurde vorher als letzter im Bus-Kofferraum verstaut. Alle Menschen im Bus waren mir völlig fremd. Sie unterhielten sich angeregt und schauten irgendwann verwundert zu mir. Ich klärte die Situation dahingehend auf, dass ich auf dieser Reise als Alleinreisende geführt werde, da sich aus meinem Chor kein anderer für Rom entschieden hatte. Das fanden die anderen natürlich auch nicht so schön, wobei ich der gleichen Meinung war.

Der Bus fuhr und fuhr und so nach und nach stiegen immer  gruppenweise Fahrgäste aus, so dass immer wenige Menschen im Bus verblieben.

Inzwischen hatte ich erfahren, dass wir in einem Vorort von Rom waren. Der Busfahrer hatte einen forschen Fahrstil, und das hohe Verkehrsaufkommen am Abend empfand er wohl als normal. Als schließlich eine letzte Sängergruppe den Bus Verließ und ich als einzige neben dem Busfahrer noch im Bus saß, fing ich doch an, nervös zu werden und fragte mich, wie das wohl enden würde. Während ich mir schon Horror– Szenarien vorstellte, bremste der Bus plötzlich und der Busfahrer stieg aus, ging an den Kofferraum, holte meinen Koffer raus, stellte ihn auf den Bürgersteig und rief in die Bustür hinein:“Prego Signora“.

Ich verstand, dass ich jetzt aussteigen musste. Innerhalb weniger Augenblicke stand ich auf dem Bürgersteig neben meinem Koffer und sah noch das Rückfenster des Busses davonfahren.

Kurzfristig beschlich mich ein Gefühl der Hilfslosigkeit. Ich beherrschte die italienische Sprache nicht und fühlte mich total fremd. Aber ich behielt die Ruhe, fing an zu überlegen und plötzlich dachte ich an die kleine Visitenkarte. Ich suchte in meiner Anoraktasche und fühlte sie plötzlich mit großer Erleichterung. Ich konnte eine Adresse erkennen, die ich womöglich einem vorbeikommenden Passanten zeigen und der mir dann vielleicht weiterhelfen konnte.

Ich sah mich um und erkannte, dass ich mich vor einer hohen Mauer befand und ging dort entlang bis zu einer kleinen unscheinbaren Eisentür. Daneben ein Schild mit der Aufschrift, die auf meiner Visitenkarte stand. “Dank dem Himmel“ – Ich jubilierte.

Ich erkannte einen kleinen Klingelknopf und drückte ihn mutig. Es tat sich zunächst nichts. Nach einer gefühlten Minute hörte ich ein leises:“Prego“. Ich stellte mich mit meinem Namen vor und sagte, dass wohl hier ein Zimmer für mich reserviert war. Kommentarlos öffnete sich die Tür.

Vorsichtig drückte ich die Tür langsam auf, schob meine Koffer über die Schwelle und vor mir lag ein großer Park. Ich schloss zunächst die Eisentür und sah mich dann erst mal um. In dem Park waren einige Ruhebänke aufgestellt, auf denen Menschen saßen, stumm und müde. Alle schauten auf mich und ich ging zielstrebig auf die Gruppe zu. In deutscher Sprache stellte ich mich als alleinreisende Sängerin meines Kirchencores vor und in genau der Sekunde kam Leben in die Menschengruppe.

Es stellte sich dann selbst schnell heraus, dass diese Gruppe der Kirchenchor meiner Nachbargemeinde in meiner Heimatstadt war und bereits mit dem ersten Flieger des gleichen Tages nach Rom gekommen waren.

Sie waren also schon seit dem frühen Morgen hier in diesem Nonnenkloster, konnten zwar ihre Zimmer beziehen, die aber nicht klimatisiert waren und sie hatten die Anweisung bekommen, auf die Sänger meines Chores zu warten, um dann gemeinsam mit einem Bus, den sie bei den Nonnen bestellen konnten, zum Essen zu fahren.

Die Armen hatten also auf mich warten müssen und den Tag ohne Essen und Trinken verbracht. Jetzt ging alles im Eiltempo. Ich bezog mein Zimmer, der Bus kam und brachte uns zu einem bestellten Restaurant, das für uns ein leckeres Essen vorbereitet hatte. Nun war meine abenteuerliche Reise überstanden, ich fühlte mich heimisch und freute mich auf Aktivitäten, die und jetzt bevorstanden.

Noch am Abend – nach dem Essen – ging es für uns weiter zu der Kirche St. Paul vor den Mauern. Eine endlose Anzahl von Bussen parkte bereits vor der Kirche. Als wir hineingingen, war die Kirche bereits gefüllt mit Sängern und Sängerinnen aus Nordrhein-Westfalen. Es hatten sich an drei Eck-Positionen Dirigenten aufgestellt, die für alle zu sehen waren. Und so sangen wir einige unserer lange geprobten Lieder. Wir standen in der Kirche natürlich nicht geordnet nach unseren Stimmlagen.

So stand neben mir ein Bass, ich kannte niemanden, aber das gemeinsame Singen erzeugte in mir ein Glücksgefühl, was ich zuvor nicht erlebt hatte. Die Kirche war erfüllt von einer unvergleichlichen Akustik, obwohl nicht alle Sänger anwesend waren. Ich erfuhr später, dass hier die Organisation nicht überall geklappt hatte.

Ich merkte jetzt: Rom schläft nie! So fuhren wir nachts in der Dunkelheit wieder zurück in unser Nonnenkloster für eine Nachtruhe. Das Frühstück am nächsten Tag war gut und ausreichend und unser Bus wartete erneut im Innenhof, um uns wieder in die Innenstadt Roms zu bringen, Wir haben dann an zwei aufeinander folgenden Tagen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Roms erleben können, was total beeindruckend für mich war. Überall begegnet man der Geschichte zum Anfassen. Unvergesslich für mich der Petersdom, das Kollosseum, das Forum Romanum, der Trevibrunnen, etc. Wenn ich jetzt davon erzähle, könnte ich sofort wieder losfahren…..

Der wichtigste Tag war für uns Sänger natürlich die Papst-Audienz auf dem Petersplatz. Wir hatten gutes Wetter  und bekamen Sitzplätze zugeteilt und sogar ziemlich vorne, so dass wir die Geschehnisse vor uns gut verfolgen konnten.

Da Papst Johannes II zu diesem Zeitpunkt bereits sehr krank war, wurde er bis zu seinem Platz gefahren. Rechts und links waren große Bildschirme installiert, so dass der Papst auch für die Menschen im hinteren Bereich gut zu sehen war. Er grüßte und betete mit uns und gab ca. 10 Brautpaaren seinen päpstlichen Segen.

Er wusste, dass an diesem Tag 4.000 Sänger und Sängerinnen aus Nordrhein-Westfalen anwesend waren und begrüßte uns speziell in deutscher Sprache. Wir haben dann für ihn „unser“ Lied gesungen, welches extra für diesen Moment komponiert worden war. Und der Komponist dirigierte uns dabei.

Der ganze Petersplatz war erfüllt von unserem vierstimmigen Lied, mit dem Titel “Gott hat uns längst einen Engel gesandt….“ und der Papst hörte zu. Am Ende bedankte er sich in deutscher Sprache. Daraufhin haben wir das Lied noch ein paarmal hintereinander gesungen zum Ausklang der Audienz, während sich die Menschenmenge langsam auflöste.

 

Schließlich haben wir dann am Ende unserer Reise noch einen letzten Tag erlebt mit dem Besuch einiger Kirchen und bekannter Plätze, was für mich unvergesslich war. Der Abreisetag verlief dann für mich unspektakulär. Ich blieb zusammen mit dem Chor aus dem Nonnenkloster bis wir zu Hause waren.

 

Von Flugangst habe ich da nichts mehr gemerkt.

 

 

0 Kommentare

Derzeit ist kein Kommentar vorhanden !

Noch ist kein Kommentar vorhanden ! Möchtest du das ändern ?

Schreibe ein Kommentar

Schreibe ein Kommentar

Ich stimme zu.

4-Tage Wetter

Regenradar

Niederschlagsradar(Wetterradar) für Deutschland

Kategorien

Über uns !

Das offizielle Sprachrohr des Seniorenbeirates
der Stadt Papenburg – nicht nur für Senioren
Schon bei der Gründung des Seniorenbeirates Papenburg am 27. März 1996 kam die Idee auf, auch eine eigene Zeitschrift für die Senioren herauszugeben.

Diese sollte über das Vereinsleben berichten, interessante Themen aufgreifen, Ratschläge erteilen, aktuelle Vorschriften und Tipps behandeln.

Der „Gründungs-Redaktionsstab“ erstellte die Fidibus-Hefte Nr. 1 bis Nr. 51 im Zeitraum vom September 1997 bis März 2010.

Der zweite Redaktionsstab gab von Juni 2010 bis November 2012 die Hefte Nr. 52 bis Nr. 62 heraus.

Seit Heft Nr. 63 im März 2013 ist der amtierende Redaktionsstab für die Fidibus-Reihe verantwortlich.

Feste Rubriken des Fidibus sind:
〉〉der Veranstaltungskalender
〉〉Hinweise aus der Rechtsprechung
〉〉Deutsche Schreibschrift
〉〉Rezepte
〉〉humorvolle Beiträge
〉〉Rätsel-Beiträge in „Platt“
〉〉verschiedene sonstige Artikel

Der Fidibus erscheint viermal im Jahr, ist 28 Seiten stark und kostet einen Euro.

Drei farbige Seiten werden für Werbung freigehalten.

Der Fidibus wird von einem festen Abnehmerstamm gekauft, der ihn an seine Kundschaft oder Patienten weitergibt.

Dafür möchten wir uns an dieser Stelle, auch im Namen des Seniorenbeirates, herzlich
bedanken