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Hinterkaifeck – Mord auf dem Einödhof

April 26
18:13 2015

Mordfälle, zumal wenn es mehrere Personen betrifft, haben einen makabren Aufmerksamkeitswert in der Bevölkerung.

Wenn dann noch der oder die Täter bis heute unbekannt sind, ist für Spekulationen Tür und Tor geöffnet.

Zu den bekanntesten Fällen zählt die Mordserie von „Jack the Ripper“ 1888 – 1891 in London.

Die Experten streiten seit damals darüber wie viele der Taten von einem Einzelnen verübt wurden, oder ob es auch Nachahmungstäter gegeben hat.

Die elf Morde vom 03.04.1888 – 13.02.1891, die sog. “Whitechapel-Morde“ beinhalten auch die Morde vom 31.08.1888 – 09.11.1888, die als die „Kanonischen Fünf“ bezeichnet werden.

Nur diese fünf Verbrechen werden von Experten ein und demselben Täter zugeschrieben.

Es gab viele Verdächtige, auch Frauen schienen den Ermittlern als Täterinnen möglich.

Es wurden zahllose Bücher geschrieben, viele bekannte Autoren, besonders aus Großbritannien, haben sich an dem Thema versucht.

Filme wurden gedreht, mit zum Teil auch heute  noch sehr populären Schauspielern.

Trotz oder gerade wegen all der abenteuerlichen Spekulationen und Theorien konnte man den oder die Täter nie ermitteln.

 

In Deutschland gab es ebenfalls einen mysteriösen Mordfall auf einem Einödhof in Oberbayern, der bis heute die Menschen beschäftigt.

In der Nacht vom 31. März zum 1. April 1922 wurden in Hinterkaifeck sechs Personen erschlagen.

Es waren der Bauer Andreas Gruber, 63 Jahre alt, seine Frau Cäzilia, 72, die verwitwete Tochter Viktoria Gabriel, 35, ihre 7jährige Tochter Cäzilia und ihr Sohn Josef, 2 Jahre alt.

Das sechste Mordopfer war die 44jährige Maria Baumgärtner aus dem benachbarten Dorf Kühbach, die erst am 31. März 1922 ihren Dienst als Magd auf dem Hof angetreten hatte.

Hinterkaifeck ist kein Ortsname, sondern nur der „Hofname“.

Der Hof liegt ca. 500 m entfernt von der Ortschaft Gröbern, die zum Gemeindegebiet von Wangen (inzwischen eingemeindet nach Waidhofen) gehört und an drei Seiten von Wald umgeben ist.

Die Kreisstadt Schrobenhausen ist etwa 6 km entfernt.

Heute ist die Gegend um Schrobenhausen das größte Spargelanbaugebiet Bayerns.

Von der A 8, Autobahn Stuttgart – München, AS 74, geht die B 300 nordwestlich über Schrobenhausen und Waidhofen zur AS 64 der A 9, Autobahn Nürnberg – München.

Gefunden wurden die Opfer erst nach vier Tagen.

Ein Monteur, der den Motor einer Futterschneidemaschine repariert, aber niemanden antrifft, sagt den Töchtern vom Ortsführer von Gröbern, Lorenz Schlittenbauer, dass er bei den Grubers den Motor repariert hat, aber keinen der Bewohner gesehen hat.

Als die Töchter ihrem Vater davon erzählen, beschließt Lorenz Schlittenbauer in Hinterkaifeck nachzusehen, wo die Hofbewohner geblieben sind.

Zur Verstärkung nimmt er zwei Nachbarn mit.

Die Männer finden die Leichen und innerhalb kurzer Zeit verbreitet sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer in der Gegend.

Mit dem Fahrrad kommen zwei Gendarmen aus dem Gendarmerie-Posten in Hohenwart.

Sie informieren Lorenz Schlittenbauer, dass die Gerichtskommission aus Schrobenhausen zur

Verstärkung unterwegs sei.

Zusammen mit einem Assistenten und einem Gerichtsinspektor inspiziert der Oberamtsrichter den Tatort.

Zuerst prüft er, wie die Bewohner nacheinander in den Stall gelockt worden sein könnten.

Dabei stellt er fest, dass Rufe im Stall nicht im

Wohnhaus gehört werden können.

Wie die Bewohner von Hinterkaifeck in den Stall gelockt wurden, ist daher einer der vielen Punkte, die bis heute ungeklärt sind.

Schließlich übernimmt die Kriminalpolizei aus München den Fall.

Als die Beamten um 01:30 Uhr beim Bürgermeister von Wangen, Georg Greger, eintreffen, erfahren sie von ihm, dass der Oberamtsrichter aus Schrobenhausen den Tatort bereits in Augenschein genommen hat.

Am nächsten Morgen inspizieren sie mit ihm nochmals den Tatort.

Dabei sind zudem Staatsanwälte aus Neuburg und ein Bezirksamtmann aus Schrobenhausen zugegen.

Ihnen fällt auf, dass auf dem Speicher Dachziegel so verschoben wurden, dass von dort aus der gesamte Hof zu übersehen war.

Weiter wird auf dem Dachboden eine lose verteilte Schicht Heu entdeckt, die Schritte auf dem Dachboden gedämpft hat.

Der Bauer hatte schon seit Tagen das Gefühl beobachtet zu werden.

Es führten Fußspuren im Schnee zum Hof, aber nicht mehr fort. Im Dachboden wurden Geräusche gehört.

Der Bauer hatte dies seinen Nachbarn erzählt. Diese rieten ihm die Polizei zu verständigen, was der Bauer aber ablehnte.

Die Kommission stellte fest, dass erhebliche Mengen an Bargeld und Wertpapieren vorhanden waren.

Die Grubers galten als vermögend.

Nichts fehlte, trotzdem wurde die Theorie eines Raubmordes aufgestellt – bis heute eine völlig unverständliche Ansicht über den Ablauf der Ereignisse.

Es steht fest, dass noch Tage nach den Morden eine oder mehrere Personen auf dem Hof gewesen sein müssen, weil das Vieh versorgt wurde.

Auch stellten sich alle die Frage, weshalb ein zwei Jahre altes Kind getötet wurde.

Nun schossen die abenteuerlichsten Spekulationen „ins Kraut“.

Der Gruber Bauer war wegen eines inzestösen Verhältnisses mit seiner Tochter verurteilt worden. Der getötete kleine Josef könnte also ein Kind des Andreas Gruber sein.

Viele glauben daher bis heute an ein religiös motiviertes Verbrechen und Blutrache.

Auch Lorenz Schlittenbauer hatte mit Viktoria ein Verhältnis, auch er hätte der Vater von Josef sein können.

Folgerichtig geriet auch er in Verdacht, wie viele Andere.

Es gab auch etliche Verhaftungen, aber am Ende mussten alle wieder frei gelassen werden.

Sämtliche Spekulationen, Spuren und Ermittlungspannen füllen viele Bücher.

Als die am seriösesten recherchierten gelten die Bücher des gebürtigen Ingolstädters Peter Leuschner, der auch Journalist bei der Münchner „TZ“ war und die Akten des Münchner Polizeipräsidiums einsehen konnte, soweit sie noch vorhanden waren.

Auch er hat keinen Täter „liefern“ können.

 

 

 

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