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Die Waschmaschine

April 26
18:00 2015

 

Ich wünschte mir schon lange eine Waschmaschine. Ich bin ein Freund des Fortschritts und die alte Art des Waschens, wie sie meine Großeltern liebten, erschien mir veraltet. Reinlichkeit ist aber das halbe Leben, und so ging ich in ein Geschäft mit dem Wunsch, eine Waschmaschine zu kaufen:

“Was soll es sein?” fragte der Verkäufer.

“Eine Waschmaschine.”

“Eine Perfekta, eine Elita, eine Juwelia ?”

“Welche ist die Beste?”

“Die beste ist die Vollautomatische.”

“Wie geht sie?”

“Alles in einem Gang, schmutzig hinein und blütenweiß heraus.”

“Zuverlässig?”

“Ganz zuverlässig, es kann nichts passieren.”

Die Waschmaschine kam ins Haus. Ich freute mich wie ein Kind.

“Wohin?” fragten die Männer, die die Maschine brachten.

“Ins Schlafzimmer, neben das Barockbett.” Die Männer zuckten die Schultern, sie waren die sonderbarsten Wünsche gewöhnt. Sie zeigten mir die Bedienungsknöpfe und gingen.

“Gutes Waschen!” sagten sie. Es war ihr gewohnter Abschiedsgruß.

Jetzt war ich allein mit meiner Waschmaschine, dem Wunder unseres Jahrhunderts. Ich öffnete den Deckel und schaute von oben hinein. Ich beglückwünschte mich, das größte der Modelle genommen zu haben. Es war ein guter Einfall gewesen, denn es war sehr wenig Platz darin.

Ich ging kaum hinein, wie ich feststellte, als ich ausgezogen in sie hineinstieg. Dabei bin ich von kleiner Statur. Was machen die großen und die dicken Männer? Doch das war jetzt nicht meine Sorge – ich jedenfalls hatte richtig gewählt.

Ich saß darin zwar nicht recht bequem, aber wahrscheinlich gewöhnt man sich daran.

Ab heute brauchte ich mich nicht mehr selbst zu waschen, ich hatte ja eine Waschmaschine, die dies für mich besorgte. Schmutzig hinein und blütenweiß heraus, ohne jeden Handgriff, so hatte es mir der Verkäufer gesagt, sogar trocken würde ich herauskommen. Verächtlich blickte ich auf Waschlappen, Seifenschale, Nagelbürste und Handtuch, ich hatte sie nicht mehr nötig.  Ja, unser Jahrhundert!  Meine Mutter, wenn sie mich jetzt sehen könnte, sie hätte ihre helle Freude an mir. Wie oft hat sie mich gemahnt, Hals und Ohren zu waschen, richtig mit Seife, denn ohne Seife ist die Wäsche, nur eine halbe Wäsche – so pflegte sie oft zu sagen. Seife macht gesund und pflegt die Haut. Wie oft hatte ich als Junge noch einmal zum Waschbecken zurückgehen müssen, und die Prozedur begann noch einmal von vorn. Jetzt geschah alles automatisch mit der Waschmaschine.

Ich betrachtete die Knöpfe. “Gewünschte Wärme”, stand auf einem. ich stellte auf 38 Grad ein, das ist eine angemessene Temperatur. Auf dem 2. Knopf stand “Vorwäsche”. Ich drückte ihn und kroch in das Innere meiner Maschine zurück. Die Prozedur begann. Ich brauchte mich nicht zu bewegen, von allen Seiten strahlte fein und köstlich Wasser auf mich. Zugegeben, die Trommel, in der ich saß, drückte ein wenig, auch schoss mir mancher Wasserstrahl dorthin, wo ich nicht unbedingt nass werden wollte, aber es war trotzdem eine großartige Sache.

Als ich nun genug eingeweicht war, hob ich den Kopf, um auf “waschen” zu drücken. Ich tat es. Oh… hätte ich es nie getan. Ich kam gerade zurecht, meinen Kopf einzuziehen, dann begann eine tolle Fahrt. Ich wurde herumgeschleudert wie noch nie in meinem Leben. Mal war ich mit dem Kopf unter Wasser, mal flog das Knie,dann wieder das Bein ins Kreuz, jetzt hing sogar mein Leib kopfüber im Wasser. Um mich herum schäumte Seife, drang mir in Nase Mund und Ohren, bis in die feinsten Poren hinein.

Als ich nun genug eingeweicht war, hob ich den Kopf, um auf “waschen” zu drücken. Ich tat es. Oh… hätte ich es nie getan. Ich kam gerade zurecht, meinen Kopf einzuziehen, dann begann eine tolle Fahrt. Ich wurde herumgeschleudert wie noch nie in meinem Leben. Mal war ich mit dem Kopf unter Wasser, mal flog das Knie, dann wieder das Bein ins Kreuz, jetzt hing sogar mein Leib kopfüber im Wasser. Um mich herum schäumte Seife, drang mir in Nase Mund und Ohren, bis in die feinsten Poren hinein.

Nun ja, eine Waschmaschine – man wird gründlich gesäubert. Aber so sauber hatte ich mich in meinem Leben noch nicht gewaschen.

“Genug”, schrie ich, “Hilfe!” Mich hörte aber keiner, die rasende Fahrt ging weiter. Zehn Oktoberwiesen auf einmal. Manchem macht das Spaß, mir nicht. Jetzt drang mir die Lauge auch noch ins Auge, mir wurde übel und elend zugleich. Ich schnappte nach Luft, rang nach Atem – vergebens. Elendes Bündel Mensch, wie sollte ich den Schalter erreichen, um wieder abzustellen? Da, in letzter Minute – wie froh war ich, eine vollautomatische Waschmaschine gekauft zu haben – sie stand still.

Ich fühlte, wie das Wasser unter mir weglief und jetzt, ganz von selbst, fielen die milden Wasser wieder über mich her und spülten die Seife weg. Leise nur schaukelte die Trommel, in der ich saß. Wohlbehagen umfing mich, der Schreck war überstanden. Schlummernd gab ich mich dem streichelnden Wasser hin.

Da, auf einmal erwachte ich durch einen heftigen Stoß. Die Trommel hatte sich wieder in Bewegung gesetzt, und in rasender Fahrt wurde ich trockengeschleudert. Wie sehnte ich das weiche Frottée meines Handtuches herbei, seine linde Art, mich trockenzureiben. Hier wurde ich trockengewirbelt. Ich lag wie ein geprellter Frosch ringsum in der Trommel, immer schneller, immer atemberaubender wurde die Fahrt. Ich liebe Karussells, aber hier ging mehr mit ihm vor.

Das Teufelsrad und die Mondrakete, selbst der Schleuderhannes war ein Kinderspiel dagegen.

Als ich blütenweiß und staubfrei, selbst hinter den Ohren, meine Waschmaschine verließ, verstand ich die Welt nicht mehr.

Fortschritt ist gut aber nicht in allen Dingen. Ich kehrte reumütig zu meinem geliebten Stück Seife zurück. Sollen sich andere in eine Waschmaschine setzen, ich wasche mich wieder selbst.

Als meine Frau am Abend heimkam, erblickte sie die Waschmaschine und fiel mir sofort um den Hals.

“Eduard”, rief sie, “wie bin ich glücklich, eine Waschmaschine zu besitzen. Jetzt wird das Waschen viel angenehmer und leichter.

Ich hob warnend den Finger.

“Ich weiß nicht,” sagte ich, “versuch es erst einmal !!!”

 

 

 

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