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Besonderheiten der Arzneitherapie bei alten Menschen

April 27
23:45 2014

Keine Patientengruppe ist so vielfältig wie die der Senioren: da ist der fitte 75-jährige, der noch jeden Tag schwimmen geht oder der

wesentlich jüngere, der an den Folgen seines langjährigen Diabetes leidet uns schwer krank ist.

 

Wie gesund oder krank Senioren sind, wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst.

Mit zunehmendem Alter lässt häufig die

Leistung von Leber und Nieren nach, und die Immunabwehr ist nicht mehr so aktiv.

Seh- und Hörleistung werden weniger und

alterstypische Erkrankungen wie Arthrose, Bluthochdruck, Diabetes, Demenz treten verstärkt auf.

Kommen dazu auch noch Faktoren wie der Verlust des Partners oder des gewohnten Wohnumfeldes kann sich der Gesundheitszustand entscheidend verändern.

 

Die meisten Menschen über 70 Jahren leiden unter mehreren chronischen Erkrankungen. Man spricht dann von “Multimorbidität”.

Und akute Beschwerden wie Infekte oder Durchfall können zusätzlich Probleme machen.

Oft wird jedes Krankheitsbild für sich alleine gesehen und entsprechend behandelt.

Die Multimorbidität hat dann eine Vielzahl von Arzneimittelverordnungen (Polymedikation) zur Folge.

Treffen unglückliche Umstände zusammen, können die Medikamente sich gegenseitig in ihrer Wirksamkeit ungünstig beeinflussen: es kommt zu “Wechselwirkungen”.

 

Auch kann es vorkommen, dass die Nebenwirkungen eines Medikamentes die Verordnung weiterer Medikamente zur Folge haben.

 

Nebenwirkungen bezeichnet man auch als (unerwünschte Arzneimittelwirkung; UAW).

Häufige UAWs im Alter sind

  • Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalten
  • Verwirrtheit, Schlaflosigkeit, Schwindel,
  • Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen.

 

Aus diesen vielen Umständen ergibt sich dann, dass 56% aller über 70jährigen regelmäßig fünf oder mehr Medikamente einnehmen.

Dann ist es wichtig, dass es eine Stelle gibt, die die ganze Medikation, auch die, die nicht verschreibungspflichtig ist und ohne Rezept in der Apotheke besorgt werden kann, im Blick behält.

Die meisten älteren Menschen haben eine Stammapotheke, die diese Aufgabe übernimmt. Dazu wird alles in einer Kundendatei gespeichert und regelmäßig, aber besonders bei jedem neuen Medikament überprüft, ob es sich mit den bisher eingenommenen verträgt. Auch wird erfragt, ob es Besonderheiten gibt, die mit den eingenommenen Medikamenten zusammenhängen könnten. Die Apotheke klärt auf, wenn ein gewohntes Medikament durch Rabattverträge auf einmal anders aussieht oder einen anderen Namen hat. Fallen dabei Probleme auf, nimmt die Apotheke Kontakt zum Arzt auf, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Die Apotheke hat also eine Lotsenfunktion für alles was mit Arzneimitteln zu tun hat.

 

Wichtig ist, dass es immer einen aktuellen

Arzneimittelplan gibt, in dem alle regelmäßig genommenen Medikamente (auch die “Selbstmedikation”!) mit Stärke und Dosierung aufgeführt sind.

Solch ein Plan verhindert, dass es zum Beispiel beim Besuch eines Facharztes, beim Wechsel des Arztes oder bei einem Krankenhausaufenthalt zu unnötigen Verschreibungen kommt oder dass wichtige Medikamente übersehen werden.

Bei der Fülle der täglich einzunehmenden Medikamente bringt eine Wochen- Tablettenbox mit Einteilung der Tage und zusätzlicher Einteilung der Einnahmezeitpunkte Erleichterung im Alltag.

Bild2

Das Bewusstsein für die Probleme der vielen Arzneimittel im Alter hat dazu geführt, dass ein Gremium eine Liste erarbeitet hat, in der Medikamente aufgeführt sind, die bei alten Menschen möglichst nicht eingesetzt werden sollten, die “Priscus-Liste”. Die Bezeichnung ist aus dem Lateinischen abgeleitet und steht für “altehrwürdig”. Das Forschungsziel des Projektes, das 2007 gestartet wurde war “Altern in Würde”.

Ein Blick auf die Internetseite unter www.priscus.net lohnt sich.

In dieser Liste werden nicht nur die Substanzen, die Probleme machen mit Namen benannt, es werden auch Alternativen empfohlen oder, wenn dies nicht möglich ist, Hinweise gegeben, um zum Beispiel die Dosierung anzupassen.

Ein Medikament, das in der Priscus-Liste aufgeführt ist, ist zum Beispiel das nicht rezeptpflichtige Schlafmittel „Hoggar®“ mit dem Wirkstoff Doxylamin.

Als „wesentliche Bedenken“ werden dort aufgeführt: – Sturzgefahr,

– erhöhtes Risiko für Schwindel, Depressionen,

Kopfschmerzen,

– mögliche EKG-Veränderungen.

Als Alternativen werden angeboten:

Hochdosierte Baldrianpräparate und verschreibungspflichtige Alternativen aus anderen Wirkstoffgruppen.

Falls das Arzneimittel trotzdem verwendet werden soll, wird geraten, besonders auf anticholinerge UAWs zu achten (z.B. Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalten).

Nicht angewendet werden soll das Mittel bei schwerer Verstopfung und Demenz.

 

Mit dieser Liste gibt es jetzt eine gute Grundlage, um die Medikation für ältere Menschen risikoärmer auszuwählen.

 

Arzt und Patient sollten im Idealfall ein individuelles Behandlungsziel gemeinsam erarbeiten.

Da viele Erkrankungen chronisch sind, tritt der Anspruch, diese Erkrankungen zu heilen in den Hintergrund. Das vorrangige Ziel ist, die

Symptome der Erkrankungen so zu behandeln, dass möglichst viel Lebensqualität erhalten wird.

Lebensqualität bedeutet hier in der Regel, den Alltag im gewohnten Lebensumfeld weiter möglichst selbständig zu bestreiten.

Das kann man unterstützen durch Behandlungsziele wie:

  • Schmerzfreiheit oder bestmögliche Schmerzlinderung
  • Erhaltung der Mobilität
  • Erhaltung der Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge
  • Erhaltung der Essfreude, der Ausscheidungsfähigkeit und der Kontinenz,
  • Erhaltung von Schlaf und Wachheit
  • Erhaltung der sozialen Kommunikationsfähigkeit

Aus dem gefundenen Behandlungsziel sollte eine gemeinsame  Entscheidung getroffen werden, die durchaus auch das Weglassen von bisher eingesetzten Medikamenten bedeuten kann, wenn dadurch Nachteile vermindert werden können.

“Priscus” formuliert bei seinen Zielen den “Starken Patienten”: Der Patient soll bei den Herausforderungen, die seine Erkrankungen im Alltag stellen, gestärkt werden.

Arzt und Apotheker unterstützen ihn dabei.

 

 

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